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Madonna mit Kind sowie die Heiligen Katharina und Thomas (sacra conversazione)

In der venezianischen Malerei des frühen 16. Jahrhunderts etablierte sich neben dem älteren Typus (Kat.-Nr. 5), bei dem die Figuren in einem architektonischen Rahmen dargestellt wurden, eine neue Form der sacra conversazione. Dieser neuere Stil wählte oft das Landschaftsformat und platzierte die Szenerie unter freiem Himmel im Freien. Zahlreiche Beispiele hierfür finden sich in Lottos Werk, das insbesondere von Palma Vecchio inspiriates war, zu dem Lotto laut dem Biografen Vasari in freundschaftlicher Beziehung stand. Palma Vecchio hatte die konventionelle hierarchische Anordnung der Figuren aufgegeben und intimere Kompositionen entwickelt, die aus einer näheren Perspektive betrachtet werden. Lotto, der als der individualistischste der venezianischen Künstler seiner Generation galt, setzte diese Tendenzen fort. In ihren Gesten, Blicken und Haltungen stehen seine Figuren viel enger beieinander als die der Maler vor ihm.

Die Kulisse des Bildes bildet eine sanft beleuchtete Landschaft in der Ferne. Maria mit dem Kind, Katharina, Thomas und ein Engel sitzen im Schatten eines Baumes. Lotto verändert den traditionsreichen Typus entscheidend: Das Gemälde ist nicht durch die Ruhe der Hochrenaissance geprägt, sondern durch den sensiblen Ausdruck des frühen Manierismus. Ein kontinuierlicher und nervöser Fluss der Bewegung durchzieht das Bild – von den Armen des Engels, der die Madonna krönt, über die Hand des Kindes, die nach dem Buch greift, bis hin zum Haupt der Katharina, während sie den frommen Apostel betrachtet, der durch seinen intimen Augenkontakt mit Maria den Betrachter zurück zur Jungfrau führt. Die kühle und kaum venezianische Farbgebung – ein Merkmal, das sich durch Lottos gesamtes Werk zieht – ist sowohl in der Malerei von Bergamo verwurzelt, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte, als auch in der Kunst Dürers zu finden.

© Cäcilia Bischoff, Masterpieces of the Picture Gallery. A Brief Guide to the Kunsthistorisches Museum, Wien 2010

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