Selbstporträt
Acryl auf Leinwand
Wandkunst
Expressionismus
1912
54.0 x 50.0 cm
Hamburger Kunsthalle
Giclée / Kunstdruck
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Sammlerstück-Beschreibung
Ein Porträt innerer Unruhe: Die Entschlüsselung von Alexej von Jawlenskys ikonischem Werk
Alexej Georgewitsch von Jawlenskys „Selbstbildnis“, gemalt im Jahr 1912, gilt als ein Eckpfeiler der expressionistischen Kunst – eine viszerale Erkundung der Emotion, dargestellt mit kompromissloser Kühnheit. Als Teil der Sammlung der Hamburger Kunsthalle transzendiert dieses Ölgemälde auf Holz die bloße Repräsentation; es ist eine Einladung in die Psyche des Künstlers und ein Zeugnis seiner Meisterschaft, tiefgreifende psychologische Zustände durch eine visuelle Sprache zu vermitteln.
- Die Vision des Künstlers: Jawlensky, geboren in Torchow, Russland, war ein leidenschaftlicher Verfechter des revolutionären Geistes des Expressionismus. Seine Leinwände zeigten häufig gelängte Gesichter und lebendige Farbtöne – ein stilistisches Markenzeichen, das die Kernbesessenheit der Bewegung mit der subjektiven Erfahrung widerspiegelte. Das „Selbstbildnis“ verkörpert diesen Ethos perfekt, indem es ihn mit einem ernsten Blick darstellt, der durch übersteigerte Linien und entschlossene Pinselstriche akribisch betont wird.
- Farbe als Emotion: Der bewusste Einsatz von Violett für sein Hemd und seine Krawatte ist nicht bloß dekorativ; er dient als kraftvolles Medium zur Vermittlung emotionaler Intensität. Historisch gesehen symbolisiert Violett Erhabenheit und Spiritualität – Elemente, die in den breiteren thematischen Anliegen des Gemäldes mitschwingen und Kontemplation oder vielleicht sogar Melancholie suggerieren.
Expressionistische Techniken: Verzerrung und Textur
Das „Selbstbildnis“ verkörpert die Ablehnung akademischer Konventionen zugunsten der Erfassung roher Emotionen, wie es für den Expressionismus typisch ist. Von Jawlensky setzt geschickt verzerrte Formen – insbesondere das Gesicht – und lebendige Farbpaletten ein, um inneren Aufruhr zu kommunieren. Der leicht geöffnete Mund, eine Geste, die sowohl bewusst als auch beunruhigend wirkt, deutet auf leidenschaftliche Rede oder tiefe Introspektion hin.
- Die dramatische Wirkung des Impasto: Die Oberfläche des Gemäldes wird von der Impasto-Technik dominiert – dicke Farbschichten, die mit sichtbaren Pinselstrichen aufgetragen wurden –, was eine taktile Textur schafft, welche die emotionale Resonanz des Kunstwerks verstärkt. Bei dieser Methode ging es nicht nur um das visuelle Erscheinungsbild; sie war darauf ausgelegt, die Energie und Dringlichkeit des Künstlers physisch zu verkörpern und den psychologischen Zustand widerzuspiegeln, den er vermitteln wollte.
- Flache Perspektive: In Abkehr von traditionellen Perspektivsystemen priorisiert Jawlensky die emotionale Wirkung gegenüber einer realistischen räumlichen Illusion. Die Linien sind locker und gestisch; sie definieren Formen eher, als präzise Konturen abzugrenzen – eine stilistische Entscheidung, die den Fokus des Gemäldes auf das innere Erleben unterstreicht.
Historischer Kontext & künstlerische Einflüsse
Jawlenskys Werk entstand in einer Zeit bedeutenden künstlerischen Umbruchs – die expressionistische Bewegung forderte etablierte Normen heraus und erhob das subjektive Gefühl zum höchsten Gebot des künstlerischen Strebens. Künstler wie Zani Corrado setzten sich auf ähnliche Weise mit vergleichbaren Themen auseinander und erforschten die Komplexität des menschlichen Bewusstseins.
- Vergleichende Resonanz: Das Kunstmuseum Bern beherbergt eine beeindruckende Sammlung moderner Kunst, die vom Expressionismus beeinflusst wurde, und zeigt Künstler, die ähnliche stilistische Ansätze und thematische Anliegen verfolgten. Die Untersuchung von Werken neben Zeitgenossen bietet wertvolle Einblicke in die breitere künstlerische Landschaft jener Ära.
Ein Vermächtnis emotionaler Intensität
Das „Selbstbildnis“ zieht das Publikum bis heute in seinen Bann – es inspiriert Künstler und Sammler gleichermaßen durch seine unerschütterliche Darstellung menschlicher Emotionen. Seine dauerhafte Kraft liegt in der Fähigkeit, tiefgreifende psychologische Zustände durch meisterhafte Technik und evokative Farben zu kommunizieren, was Jawlenskys Platz als eine zentrale Figur in der Geschichte der expressionistischen Kunst festigt.
Ähnliche Kunstwerke
Über den Künstler
Frühe Jahre und Ausbildung
Alexej von Jawlensky, ein bedeutender russischer Expressionist, wurde am 13. März (altem Stil) / 25. März (neuem Stil) 1864 in Torzhok, Russland, geboren. Als fünftes Kind von Georgi von Jawlensky und seiner Frau Alexandra (geborene Medwedewa) erlebte Alexej eine Kindheit geprägt von häufigen Umzügen, bevor die Familie schließlich im Alter von zehn Jahren nach Moskau zog. Seine genaue Geburtsdatum ist umstritten, wobei verschiedene Quellen unterschiedliche Jahreszahlen angeben, aber Recherchen deuten stark auf 1865 hin.Künstlerische Entwicklung und Einflüsse
Nach dem Abschluss seines Militärdienstes entwickelte Alexej eine Leidenschaft für die Malerei und besuchte 1880 die Moskauer Weltausstellung. Dank seiner gesellschaftlichen Verbindungen erhielt er eine Versetzung nach St. Petersburg, wo er von 1889 bis 1896 an der Kunstakademie studierte, während er weiterhin seinen Militärdienst verrichtete. In dieser Zeit lernte er Marianne von Werefkin kennen, eine wohlhabende Künstlerin, die seine Arbeit förderte und ihm ein komfortables Leben ermöglichte. 1894 zog er nach München und studierte unter Anton Ažbe. Seine Kunst wurde stark von Ferdinand Hodler, Jan Verkade und Paul Serusier beeinflusst, was zu einer Entwicklung hin zum Expressionismus führte.Wichtige Werke und Stilentwicklung
- Jawlenskys frühe Arbeiten zeichneten sich durch üppige, reiche Farben aus, die später in eine Abstraktion und einen vereinfachten, formalisierten Stil übergingen.
- Zu seinen bemerkenswertesten Werken zählen:
- Schokko mit rotem Hut (1909)
- Porträt von Alexander Sakharoff (1909)
- Violettes Turban (1911)
Bedeutung und Vermächtnis
Alexej von Jawlensky gilt als eine Schlüsselfigur des Expressionismus, insbesondere im Zusammenhang mit der Künstlergruppe Der Blaue Reiter. Seine Werke zeichnen sich durch die Verwendung kräftiger Farben und vereinfachter Formen aus, um Emotionen auszudrücken. Nach seiner Vertreibung aus Deutschland im Jahr 1914 zog er in die Schweiz, wo er Emmy Scheyer kennenlernte, die seine Arbeit in den Vereinigten Staaten förderte. Jawlensky starb am 15. März 1941 in Wiesbaden, Deutschland. Seine Werke sind heute in bedeutenden Museen auf der ganzen Welt zu sehen, darunter das Museum Ostwall in Dortmund und die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München. Sein Einfluss auf die Entwicklung des abstrakten Expressionismus ist unbestreitbar.Spätere Jahre und Tod
Nach seiner Vertreibung aus Deutschland im Jahr 1914 zog Alexej in die Schweiz, wo er Emmy Scheyer kennenlernte, die seine Arbeit in den Vereinigten Staaten förderte. Alexej von Jawlensky verstarb am 15. März 1941 in Wiesbaden, Deutschland.Alexej von Jawlensky
1864 - 1941 , Russland
Kurzinfos
- Bekannte Werke:
- Schokko mit rotem Hut
- Porträt von Alexander Sakharoff
- Violette Turban
- Einflüsse:
- Anton Ažbe
- Ferdinand Hodler
- Jan Verkade
- Paul Sérusier
- Geburtsdatum: 25. März 1865
- Geburtsort: Torzhok, Russland
- Künstlerische Bewegung: Expressionismus
- Nationalität: Russisch-Deutsch
- Todatum: 15. März 1941
- Vollständiger Name: Alexej Georgewitsch von Jawlensky

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